Teil 1
Wir haben vor langer Zeit als Schülerband angefangen und zuerst im Proberaum unserer Lehrer Musik in einer alten halb verfallenen Mühle gemacht.
Es war die Zeit von Punk und New Wave.
Michael (damals so called Zappa) und Marc (Marcello Masturbini) begannen mit der Punkband Sai Baba. Sie spielten Lieder der „Sex Pistols“ nach, bzw. sie versuchten es.
Michael fragte James, ob er Lust hätte, in der Band Bass zu
spielen, was er gerne wollte. Auf die Frage, was er tun müsse, hieß es, er müsse möglichst laut spielen. In seinem jugendlichen
Leichtsinn war er der Ansicht, dass er das wohl könne. So
kam Basser James dazu. Wir haben versucht, Töne zu treffen, und – wir waren laut!
Mit zunehmenden Fähigkeiten an unseren Instrumenten wurde uns dann irgendwann klar, dass wir uns weiterentwickeln sollten.
Im Proberaum standen Boxen der Firma Winston. Das war Grund genug, uns „The Winston Music Show“ zu nennen. Die teilweise noch nicht vorhandene Versiertheit am Instrument kompensierten wir mit einer (aus unserer Sicht) rasend komischen Bühnenshow. Es war dem Publikum vermutlich nicht klar, ob das jetzt so gewollt oder Show war, was sie da zu sehen bekamen.
Auf der Bühne hatten wir unglaublichen Spaß, denn wir nahmen in unserer Music Show so ziemlich alles ins Visier. Beim Lied «Urbi Aerobic» kam es z.B. zum tödlichen Herzinfarkt. (Das kam im katholischen Judenheim zu Lonsee nicht gerade gut an.)
Da Marc sang, brauchten wir einen Drummer. An der Schule imponierte uns Oliver sehr mit seiner Kutte mit Kiss-Aufnähern und daran angebrachten Schulterfellen. Er wurde in den Proberaum eingeladen und war ab diesem Tag unser Drummer.
Oliver hatte einen Freund aus seinem Dorf an der Albkante, den brachte er irgendwann mit in den Proberaum.
Er war ein echtes Talent in Schauspiel und Gesang und hieß Andy.
Also war er dabei. Er sang zunächst im Background und übernahm einige «exotische» Rollen in der Winston Music Show. Unvergessen sein Part bei Mitternacht Babys. Unsere wilde Bühnenshow kam beim jungen Publikum gut an, die Älteren war teils eher ratlos.
So tauchten wir als Heintje, Heino, als Bruder von Bon Scott, Olli Scholli, Sepp Depp, Oschy Froschy, Winstonil-Vertreter, und vieles mehr auf der Bühne auf und wieder unter.
Teil 2
Mit der Zeit lernten wir unsere Instrumente immer besser kennen und so war es logisch, dass wir anfingen, anspruchsvolle Mainstream-Songs zu covern – von The Police über The Tubes bis Iron Maiden, etc.
Es waren dann auch selbst geschriebene Lieder darunter, meist zunächst instrumental und noch ohne Gesang.
Alles änderte sich mit der Ankunft der neuen deutsche Welle. Man traute sich, wieder Musik mit deutschen Texten zu machen. Das wollten wir auch, aber nicht mit Quatsch-Texten sondern mit Lyrics, die etwas aussagen sollten.
Aus dieser Arbeit entstand unsere erste LP, die wir noch unter dem Namen „Winston – Tausend Meilen“ in Eigenregie und mit deutschen Texten veröffentlichten. Wir fanden dazu mit Jocus einen unglaublich guten Musiker, der bei uns seitdem in die Tasten und Fader greift.
Die LP wurde regional in Süddeutschland durchaus erfolgreich – blieb aber darüber hinaus eher ein Geheimtipp.
Wir spielten Konzerte, traten gemeinsam mit Bands und Künstlern wie PUR und Helmut Hattler und anderen auf und sammelten wertvolle Bühnenerfahrung.
1988 nahmen wir erneut Songs in einem uns bekannten Studio auf. Diesmal wieder mit englischen Texten, da die neue deutsche Welle so ziemlich tot war und niemand mehr deutsche Texte hören wollte.
Irgendwann fragte uns der Produzent, ob wir uns vorstellen könnten, noch einmal etwas in deutscher Sprache so wie früher aufzunehmen. Er hatte unsere LP von früher gehört.
Eigentlich war das nicht geplant – trotzdem schrieben und nahmen wir innerhalb weniger Tage den Titel «Alles nur geträumt» auf.
Ein seltsames Gefühl, aber es fühlte sich irgendwie richtig an.
Dieses Lied „Alles nur geträumt“ wurde dann, ohne unser Wissen, vom Studiobesitzer einer Plattenfirma angeboten. Diese reichte den Titel direkt bei der Jury der Goldenen Stimmgabel für den Preis als beste deutsche Nachwuchsband ein.
Wir wurden irgendwann völlig von einer Einladung einer Plattenfirma an deren Hauptsitz bei Frankfurt überrascht.
Was sollte das?
Dort angekommen wurde uns «Landeiern» mitgeteilt, dass wir von der Jury der Goldene Stimmgabel zur besten deutschen Nachwuchsband 1989 gewählt worden waren, welche uns in einer Samstagsabendsendung im ZDF zur besten Sendezeit überreicht werden würde. Die Plattenfirma würde außerdem zwei Plattenproduktionen mit uns machen.
Da waren wir erstmal sprachlos.
Einige Tage wieder zuhause wurde uns bewusst, was da gerade abging und wir begannen, weitere Lieder zu schreiben, für den «Grossen Auftritt» zu proben (mit der Handykamera im örtlichen Jugendtreff) und wurden immer aufgeregter.
Die Plattenfirma verpasste uns viele Termine: Fotos, Klamotten, Studioproduktion, wieder Fotos, Verträge unterschreiben und vieles, vieles mehr.
So völlig unter Strom kamen wir in der Halle in Ludwigshafen für die Proben der Verleihung der «Golden Stimmgabel» an.
Wir standen auf einmal neben vielen bekannten Künstlern, die wir selbst schon seit Kindertagen kannten oder die aktuell ganz oben waren. Diese Szene war uns sowas von unwirklich und ich glaube, im Nachhinein haben uns viele der anderen Künstler als «ganz süss» empfunden, aber sicher nicht ernstgenommen.
Der Auftritt rückte näher, unser Produzent backstage war nahe am Herzinfarkt, aber wir haben es einfach durchgezogen und bekamen sehr viel Applaus.
Die Backstage Party später im Hotel mit allen Beteiligten war ein bleibendes Erlebnis, wir möchten das hier aber nicht weiter ausführen.
Mit der goldenen Stimmgabel im Gepäck fuhren wir sehr müde wieder nach Hause. Ab diesem Tag war es mit der Ruhe vorerst einmal komplett vorbei.
Teil 3
Man kann sagen, wir lebten in den folgenden Jahren unseren Traum aus Schülerbandtagen: Auftritte, Lieder schreiben und Aufnehmen, TV- und Radio Auftritte, Koffer auf und wieder zu, und wieder von vorne.
Wir haben in der Zeit unglaublich viel Energie von unseren Fans bei den Auftritten bekommen und jede Sekunde einfach genossen.
An dieser Stelle ein Riesendankeschön an euch da draussen, ihr habt uns aufgeholfen, wenn es mal schwer und wir am Boden waren. Ebenso habt ihr uns am Boden gehalten, wenn wir abzuheben drohten.
Wie haben so viele großartige Leute kennengelernt, dass man sich kaum noch erinnern kann. Und das wurde zunehmend zu einem Problem. Alles wurde viel zu schnell für uns.
Dazu kam, dass wir von unseren Partnern immer wieder in musikalische Richtungen gedrängt wurden, die wie eigentlich gar nicht wollten. Das Musikbusiness ist hart und unbarmherzig, und wir zahlten unser Lehrgeld.
Eine Textzeile aus einem Lied, das damals entstanden ist, bringt es wohl unbewusst zum Ausdruck. «Wir gingen irgendwo verloren, zwischen jetzt und irgendwann».
Wir hatten unseren Kompass verloren, diskutierten innerhalb der Band hin und her und fanden den gemeinsamen Weg nicht mehr.
Das führte zur Trennung der Band. Ein fürchterlich trauriger Tag.
Wir gingen unsere eigenen musikalischen und persönlichen Wege, jeder für sich, teilweise auch zu zweit.
Jetzt könnte die Geschichte eigentlich zu Ende sein, sollte sie aber nicht?
Teil 4
…
Impressionen Teil 1 – The Winston Music Show






